Dürener Nachrichten, 28.4.2017 (Fragen an Bernd Essler & Ralf Dick)

Anm.:  Befragt wurden alle Direktkandidaten zur Landtagswahl 2017 im Kreis Düren. Bernd Essler kandidierte im Landtagswahlkreis 12 – Düren II – Euskirchen I, Ralf Dick im Landtagswahlkreis 11 – Düren I.

Der Kreis Düren steht nicht zuletzt wegen des Ende des Braunkohletagebaus vor einem großen Strukturwandel. Wie stehen Sie zu einem frühzeitigeren Braunkohleausstieg?

Bernd Essler: Die AfD lehnt den vorzeitigen Ausstieg ab, weil die Braunkohle für die Grundlastversorgung unabdingbar ist. Schon jetzt kommt es immer wieder zu Instabilitäten im Netz, was Auswirkungen auf ganz Europa hat wegen des internationalen Energieverbundes. Es hat bereits aus den Nachbarstaaten Vorsprachen auf Ministerebene gegeben und deutliche Ermahnungen, die leider hier nicht an die Öffentlichkeit gelangt sind, aber sehr wohl im Ausland heftig diskutiert werden. Hier wird viel ideologisch begründeter Unfug betrieben. Wenn es so weiter geht, kann es zu einem Zusammenbruch des Netzes kommen mit Schäden, die man dann eigentlich den hierfür verantwortlichen Politikern in Rechnung stellen müsste.

Ralf Dick: In absehbarer Zeit werden wir die Windenergie nicht ausreichend speichern können. In der sogenannten „Dunkelflaute“ im Januar 2017 wurde fast kein Ökostrom produziert. Auch brauchten gleichzeitig unsere Nachbarländer den selbst produzierten Strom für die Eigenversorgung. Im Januar wurde 90% des Stroms von konventionellen Kraftwerken produziert.
Zuverlässige Stromversorgung in Deutschland ist ein wichtiger Standortfaktor. Wir sind gegen einen frühzeitigen Ausstieg aus der Braunkohle.

Wie wollen Sie neue Arbeitsplätze in die Region holen?

Bernd Essler: Für neue Arbeitsplätze braucht man vor allem zusätzliche Gewerbegebiete, deren Ausweis durch die Regionalplanung der Landesregierung behindert und verhindert wird. Das Thema ist ständig Gegenstand unserer Kritik im Stadtrat und den anderen städt. Gremien, ebenso wie die geringe Leistungsfähigkeit der Wirtschaftsförderung aufgrund der geringen Personalausstattung. Die hat sich zwar zuletzt verbessert, ist jedoch noch weit unter dem aus meiner Sicht erforderlichen Niveau.

Ralf Dick: In der Zukunft der Industrie 4.0 benötigen wir gute Bildung und auch Lebensqualität für die Arbeitnehmer und den Familien. Die qualifizierten und teilweise mobilen Arbeitnehmer werden vermehrt auch diese Faktoren berücksichtigen.
Weiterhin sollte sich der Regionalplan mehr auf Gewerbegebiete konzentrieren und weniger auf den Ausbau der Windenergie. Der Ausbau der Windenergie erfolgt gegen den Willen der Bevölkerung.
Auch sollte man das Monheimer Modell ergebnisoffen prüfen. Dort wurde die Gewerbesteuer massiv gesenkt und dadurch viele Jobs geschaffen. Gleichzeitig wurden die kommunalen Einkünfte massiv erhöht.

Welchen Stellenwert hat in dem Zusammenhang der Tourismus?

Bernd Essler: Der Tourismus hat nur Bedeutung für den südlichen Teil des Kreisgebietes und natürlich für Teile des Kreises Euskirchen. Heimbach ist ein gutes Beispiel für positive Ansätze. Aus meiner Sicht ist eine Regionalplanung erforderlich, die dieses Thema abdeckt mit konkreten Projektinhalten, die dann national und international beworben werden müssen. Es wird aus meiner Sicht ohne Gesamtplanung vorgegangen (Beispiel: Burg Vogelsang), was dazu führen kann, dass Vorhaben scheitern. Andere Länder, auch Bundesländer sind da besser aufgestellt. Auch diesbezüglich ist NRW aus meiner Sicht Schlusslicht, nicht nur im Bildungsbereich.

Ralf Dick: Die Region um Jülich könnte langfristig seine touristische Bedeutung steigern. In der Zukunft dann durch die Lage zwischen 2 attraktiven Seen (Tagebaue). Aber viele Untersuchungen haben gezeigt, dass Touristen Gegenden mit vielen Windparks meiden.