Opfer der Lokalpolitik: Partnerstadt Gradačac in Bosnien-Herzegowina

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Von Bernd Essler, Vorsitzender der Fraktion der Alternative für Deutschland im Rat der Stadt Düren

Düren hat mehrere Partnerstädte: in Frankreich, Österreich, der Türkei, der Ukraine,  und China. Und eben Gradačac in Bosnien-Herzegowina.  Gradačac ist eine liebenswerte und gastfreundliche Stadt mit ca. 40.000 Einwohnern in malerischer Landschaft, aber leider mit einer mangelhaften Infrastruktur.  Es fehlt einfach an allem, was anderswo selbstverständlich ist. Es gibt dort weder ein Krankenhaus noch einen öffentlichen Rettungsdienst und in Folge dessen auch bisher keine Krankentransportwagen. Ähnlich dürftig sieht es bei der Feuerwehr aus.

Bereits 2013 hatte die FDP im Dürener Stadtrat den Vorstoß unternommen, einen der regelmäßig ausrangierten Krankentransportwagen der Stadt Gradačac zu überlassen. Das wurde damals mit fadenscheinigen Argumenten von der CDU torpediert. Danach war erst mal Ruhe. Nachdem ich mit der städtischen Delegation 2016 Gradačac besuchte, erfuhr ich erstmals von der dortigen Not. Mit wurde geschildert, wie Kranke und Verletzte in Privatfahrzeugen 40 km über Landstraßen nach Tuzla ins nächst gelegene Krankenhaus transportiert werden. Deshalb ergriff ich die Initiative und beantragte im Rat, Gradačac einen Krankentransportwagen, der ohnehin ausrangiert wurde, kostenlos zu überlassen. In diesem Zusammenhang ist zu bemerken, dass diese Fahrzeuge in der Regel für wenige Tausend Euro per Ausschreibung an Händler verramscht werden.

Zu einer Ratsentscheidung kam es jedoch nicht, vielmehr wurde durch die Ratsmehrheit beschlossen, die Behandlung der Angelegenheit der Fraktionsvorsitzendenkonferenz zu überlassen. Dort trat der Leiter der Dürener Feuerwehr auf, der nur die Aufgabe hatte, mir zu erklären, warum und wieso das nicht umgesetzt werden kann. Was ich natürlich als Unfug zurückwies, weil es anderswo genauso praktiziert wird. Man verblieb schließlich so, dass man die Angelegenheit prüfen wolle.

Im Frühjahr 2018 wurde dann plötzlich ein Antrag der Verwaltung in den Rat eingebracht, zwei Fahrzeuge der Feuerwehr für Krankentransporte zu verschenken, eines an eine kleine Gemeinde in Paraguay und eines an Gradačac. Auf meine Nachfrage, was Düren mit Paraguay zu schaffen habe, konnte keine vernünftige Begründung geliefert werden. Mein Einwand, Gradačac könne auch zwei Fahrzeuge gebrauchen, wurde zurückgewiesen, weil Gradačac angeblich nur eines haben wolle. Das sollte sich noch als unrichtig herausstellen.

Die Übergabe des Fahrzeuges an Gradačac dauerte dann bis September 2018, weil dazu erst ein publizitätsträchtiger Auftritt des Bürgermeisters im Rahmen des Stadtfestes genutzt werden sollte. Bis dahin sollten sich die Kranken und Schwerverletzten von Gradačac gefälligst gedulden.

Nun ist es endlich vollbracht. Wie sich in den Gesprächen mit dem Bürgermeister von Gradačac später herausstellte, hätte Gradačac schon gerne zwei Fahrzeuge genommen, traute sich jedoch nicht diesen Wunsch vorzubringen, weil sie befürchtet haben, dass sie dann keine Chance mehr haben, ein ausgedientes Feuerwehrfahrzeug zu bekommen, das sie auch dringend brauchen.

Bescheidenheit hat in der deutschen Politik keine Chance und wird nicht belohnt.

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