Europawahl 2019: Ergebnisse in den Gemeinden des Kreises Düren

AfD und Wahlbeteiligung: Europawahl als Testfall
AfD am Katzentisch

Hohe Wahlbeteiligung an der Europawahl 2019: 61,4% bundesweit und auch in NRW, 60,4%  im Kreis und 51,7% in der Stadt Düren.  Im Vergleich zur Bundestagswahl 2017 (Bund 76,2%, NRW 75,4%, Kreis 75,9%, Stadt 68,8%) ist das ein nur moderater Rückgang  . 2014 waren die Verhältnisse noch ganz andere – dazu wird es einen eigenen Beitrag geben. Offenbar wird auch die Europawahl jetzt als wichtig wahrgenommen. Und wir begrüßen dies ausdrücklich! Auch wenn von dieser Mobilisierung wohl eher eine andere Partei profitierte: Klarer Gewinner waren die Grünen, welche im Bund und auch in NRW die dramatisch abgestürzte SPD glatt auf Platz 3 verwiesen. Der Stimmanteil der (sowohl im Bund als auch in NRW) auf Platz 4 gelandeten AfD ging derweil zum ersten Mal in ihrer Geschichte leicht zurück im Vergleich zur vorhergehenden  bundesweiten Wahl (im Bund von 12,6% zur Bundestagswahl 2017 auf jetzt „nur“ 11,0%).

Wahlergebnisse von CDU, SPD, Grünen, AfD, FDP und Linken in den Gemeinden des Kreises Düren zur Europawahl 2019 und zur Bundestagswahl 2017
Wahlergebnisse von CDU, SPD, Grünen, AfD, FDP und Linken in den Gemeinden des Kreises Düren zur Europawahl 2019 (fette Linien und Symbole) und zur Bundestagswahl 2017 (dünne Linien und offene Symbole). Die Gemeinden sind in der Reihenfolge des Abschneidens der AfD zur Europawahl 2019 geordnet.

Im Kreis Düren stellte sich das Ergebnis der Europawahl nicht ganz so dramatisch dar wie in NRW oder im Bund. Auch hier verlor die SPD stark und liegt nun in allen 15 Gemeinden deutlich hinter der CDU. Und auch hier konnten sich die Grünen fulminant aus den Niederungen erheben, in welchen sie sich 2017 befanden, und zogen an FDP und AfD vorbei.  Aber nur in drei Gemeinden konnten sie auch die SPD überholen. Die FDP, welche zur Bundestagswahl 2017 im Kreis Düren vor der AfD lag, fiel nun in fast allen Gemeinden hinter selbige zurück (Ausnahmen: FDP-Hochburg Heimbach und, sehr marginal, Kreuzau). Die FDP bleibt aber noch deutlich vor den Linken, die ebenfalls Verluste einstecken mussten (auch in Gesamt-NRW liegt die FDP vor den Linken, bundesweit ist es knapp andersherum).

Und die AfD? Ihre Ergebnisse im Kreis Düren erwiesen sich als bemerkenswert stabil: Im Vergleich zu den anderen großen Parteien sind die Unterschiede zwischen  Bundestagswahl 2017 und Europawahl 2019 fast vernachlässigbar. In 11 von 15 Gemeinden legte die AfD noch mal zu, am stärksten in Heimbach (+1,3 %) und Inden (+1,0 %). Zurück ging der AfD-Stimmenanteil nur in Vettweiß (-0,02%), Hürtgenwald (-0,3%), der Stadt Düren (-0,4%) und vor allem in Kreuzau (-1,0%). Wobei Hürtgenwald und Kreuzau zusammen mit Nideggen gerade die Gemeinden sind, in welchen die Grünen die SPD überholte. Im Kreis-Durchschnitt legte die AfD damit leicht von 9,6 auf 9,7% zu. Was übrigens auch bedeutete, dass die AfD des Kreises Düren erstmals in ihrer Geschichte ein Ergebnis deutlich über dem NRW-Durchschnitt erreichte: bisher waren die AfD-Stimmanteile im Kreis Düren und in NRW bei jeder Wahl fast identisch. Diesmal fiel die AfD in NRW jedoch von 9,4% zur Bundestagswahl 2017 auf 8,5% ab. Was wohl mit dem Durchmarsch der Grünen zu tun hat, der im Kreis Düren eben nicht ganz so dramatisch ausfiel.

AfD-Wahlergebnisse in den Gemeinden des Kreises Düren von 2013 bis 2019
Wahlergebnisse der AfD in den Gemeinden des Kreises Düren, sowie im Kreisdurchschnitt, von 2013 bis 2019. Geordnet wurden die Gemeinden nach dem Ergebnis der Europawahl 2019.

Zur Europawahl 2019 setzte sich auch die Verschiebung der AfD-Hochburgen fort.  2013 und 2014 wiesen die AfD-Ergebnisse noch ein deutliches Süd-Nord-Gefälle auf: von Heimbach abgesehen schnitt die AfD in den Südkreis-Gemeinden besser ab als im Nordkreis. Unangefochtener Spitzenreiter schon seit der Europawahl 2014 bleibt auch nach wie vor die Süd-Gemeinde Nörvenich. Die dortigen 11,9% für die AfD sind damit neuer Spitzenwert auf Gemeinde-Ebene. Auffallend an Nörvenich ist, dass hier sowohl die SPD als auch die Grünen eher schwach abschnitten. Auf den folgenden Plätzen hat sich jedoch die Balance verschoben: Von 7 Gemeinden mit AfD-Stimmanteil über dem Kreisdurchschnitt liegen 5 nördlich oder an der Bahnstrecke Köln-Aachen.  Auf Nörvenich folgen nun die beiden SPD-Hochburgen und Grünen-Schwachpunkte Aldenhoven (11,5%) und Niederzier (10,9%). Welche sich 2019 sogar vor die Stadt Düren (10,7%,) schoben. Ebenfalls über dem Kreisdurchschnitt von 9,7% liegen Merzenich (10,6%),  Inden (10,1%, auch eine SPD-Hochburg und Grünen-Schwachpunkt) und Vettweiß (9,9%). Bemerkenswert ist auch, dass CDU- und FDP-Hochburg Heimbach (2017 sowohl zur Landtags-als auch zur Bundestagswahl noch auf dem vorletzten Platz in der AfD-Rangliste) sich stark verbesserte und nun hinter Titz (9,3%) auf Platz 9 (9,2%) liegt. Es folgen Nideggen (9,1%. Grünen-Hochburg, aber schwache SPD), Langerwehe (9,1%), Linnich (9,0%) und schließlich Hürtgenwald  (8,1%. Zur Europawahl 2014 gab es hier noch das zweitbeste AfD-Ergebnis)  und Kreuzau (7,7%, hier hatte die AfD ihre stärksten Verluste im Vergleich zur Bundestagswahl 2017, während die Grünen ihren Kreis-Spitzenwert 2019 in Kreuzau holten). Auf dem letzten Platz bleibt jedoch, wie schon zur  Landtags-und zur Bundestagswahl 2017, die Stadt Jülich (7,7%). Jülich ist das Gegenteil von Nörvenich und auch Heimbach: Hier sind sowohl SPD als auch Grüne eher stark, und CDU und FDP im Kreisvergleich eher schwach. Also ein eher etwas schwieriges Milieu. Aber trotzdem: auch in Jülich legte die AfD im Vergleich zur Bundestagswahl 2017 (7,3%) nochmal leicht zu.

Die AfD-Ergebnisse der Gemeinden des Kreises Dürenbei allen bisherigen Wahlen gibt es bei uns in einer sortierbaren Tabelle.

 

AfD und Wahlbeteiligung: Europawahl als Testfall
AfD am Katzentisch

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