Europawahl 2019: Die AfD in den Dürener Stimmbezirken

Europawahl 2019: Die Parteien in Düren
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Die AfD ist nun auch in der Stadt Düren in einer Konsolidierungsphase angekommen. Bisher legte sie bei praktisch jeder Wahl zu – in der Stadt genauso wie im Kreis Düren, in NRW (und in den meisten anderen Ländern ebenfalls) und im Bund. Nun, zur Europawahl 2019, ging der Stimmanteil im Vergleich zur vorigen Wahl (hier: Bundestagswahl 2017, Zweitstimmen) erstmals um mehr als 0,1 Prozentpunkte zurück – in der Stadt Düren von 11,1% auf 10,7%, also um etwa 0,4 Prozentpunkte. Das ist noch weniger als die ohnehin schon geringen  Rückgänge in NRW und im Bund (0,9 bzw. 1,6 Prozentpunkte). Im Kreis Düren konnte die AfD sogar noch mal um 0,1 Prozentpunkte zulegen, dazu gab es einen eigenen Beitrag. In absoluten Zahlen gingen 2019 32.572 Bürger der Stadt Düren zur Wahl (51,7% der Wahlberechtigten), davon wählten 3.459 die AfD. Das ist immerhin mehr als zur NRW-Landtagswahl 2017 ( 3.182 Zweitstimmen = 8,9% für die AfD , bei einer Wahlbeteiligung von 36.126 = 56,8%), aber erwartungsgemäß deutlich weniger als zur Bundestagswahl 2017 (4.467 AfD-Zweitstimmen, die Wahlbeteiligung lag hier aber auch insgesamt deutlich höher: 43.646 = 68,8%).

AfD-Wahlergebnisse in den Stimmbezirken der Stadt Düren
AfD-Wahlergebnisse in den Stimmbezirken der Stadt Düren, von der Bundestagswahl 2013 bis zur Europawahl 2019. Die Stimmbezirke wurden dabei in absteigender Reihenfolge nach dem Ergebnis zur Europawahl 2019 sortiert.

Auf Stimmbezirksebene sah es wie folgt aus: Ihren Spitzenwert holte die AfD mit 18,6% im Stimmbezirk 15.1 (Grüngürtel-Viertel von Freiheitstr. bis Blücherstr. ). Dies ist gleichzeitig der Stimmbezirk mit dem mit Abstand besten Ergebnis der SPD (30,0%), und ironischerweise auch der Stimmbezirk, in welchem die AfD beim Erstantritt zur Bundestagswahl 2013 noch mit 2,0% ihr bislang schlechtestes Stimmbezirks-Ergebnis überhaupt holte. Damals lagen die AfD-Hochburgen noch in Dürens nördlichen Vororten Mariaweiler, Hoven, Arnoldsweiler und Merken. Aber spätestens zur Bürgermeisterwahl 2015 hatte sich der Zuspruch zur AfD  in den verschiedenen Wählermilieus gründlich verschoben, und der gesamte Ferne Osten (Schoellerstr., Euskirchener Str. und alles östlich davon) entwickelte sich mehr und mehr zur AfD-Hochburg: Neben Platz 1 liegen auch die Plätze 3-6 des Jahres 2019 hier. Auf Platz 2 kam allerdings mit 17,3% der Stimmbezirk 04.1 Rölsdorf Ellernbusch. Erstmals ist somit ein Stimmbezirk im Alten Stadtgebiet westlich der Rur in der Spitzengruppe. Auch die benachbarten Stimmbezirke 04.0 Rölsdorf Mühlenau und 03.1 Rölsdorf Süd machten im Vergleich zur Bundestagswahl 2017  gewaltige Sprünge nach vorn und kamen mit 15,5% und 15,4% auf den Plätzen 7 und 8 ein. Aber zurück zur Spitze: Das Satellitenviertel (Bezirk 18.1) kam mit 17,1% diesmal auf Platz 3. Die AfD erzielte hier 2017 ihre bisherigen Rekordwerte: 19,0% zur Landtagswahl und dann sogar 20,1% zur Bundestagswahl. Diese blieben 2019 unerreicht. Es folgen die Bezirke 15.0 (Schoellerstr., Arnoldsweilerweg. & Teile Grüngürtel-Viertel, 16,7%), 19.0 (An der Windmühle bis Amsterdamer Str., 16,6%) und 19.1 (Wörthsiedlung, 16,1%). Und dann wie schon gesagt wieder Rölsdorf.

In einigen Stimmbezirken ging der AfD-Stimmaneil aber schon deutlich zurück. Zu nennen ist insbesondere das Nordviertel (Bezirk 14.1): 2017 noch 12,8% zur Land- und sogar 14,8%  zur Bundestagswahl, jetzt mit 7,8% eher weit hinten; nur in 5 Stimmbezirken war die AfD noch schlechter. Allerdings sollte man dies nicht überbewerten: Es gab nur 158 abgegebene Stimmen (davon 12 für die AfD), mit 20,9% war dies damit der Stimmbezirk mit dem niedrigsten Anteil abgegebener Stimmen im Verhältnis zur Anzahl der Wahlberechtigten. D.h. eine einzige Großfamilie kann das Ergebnis schon signifikant verschieben. Den höchsten Anteil im Wahllokal abgegebener Stimmen gab es übrigens in Berzbuir & Kufferath mit 50,4%, wo die CDU mit 40,6% ihren besten und die SPD mit 15,0% ihren schlechtesten Wert holte (die AfD kam auf 8,4%). Die durchschnittliche Wahlbeteiligung in allen Dürener Wahllokalen lag bei 36,5%. Diese Zahl enthält jedoch nicht die Briefwähler, welche keinem Stimmbezirk zuordenbar sind. 29,5% aller in der Stadt Düren abgegebenen Stimmen entfielen auf Briefwähler, die Wahlbeteiligung der Stadt Düren lag deshalb insgesamt bei 51,7%. Theoretisch wäre also möglich, dass in Wahrheit auch das Nordviertel ein AfD-Spitzenergebnis lieferte, die AfD-Anhänger diesmal jedoch überproportional häufig per Brief wählten. Aber wir gehen mal nicht davon aus.

Zum Abschluss noch die drei Bezirke mit den niedrigsten AfD-Anteilen:  Im Bezirk 06.1 (Derichsweiler Nord) holte sie 7,0% (Bundestagswahl 2017 9,6%), im Bezirk 02.1 (Lendersdorf West) 6,8% (Bundestagswahl 2017 9,8%), und absolutes Schlusslicht ist Bezirk 01.0 (Niederau Süd) mit 5,4% (Bundestagswahl 2017: 12,1%!). Vor allem die beiden letzten Ergebnisse dürften AfD-Gegner aller Couleur freuen, welche zuletzt verstärkt in ebenjener Gegend aufmarschierten, um gegen diverse AfD-Veranstaltungen im Schloss Burgau zu krakeelen (und leider gab es auch Vandalismus). Wir gehen allerdings nicht davon aus, dass der Stimmrückgang der AfD im Dürener Süden damit im Zusammenhang steht. Und bei der nächsten Wahl kann es auch schon wieder ganz anders aussehen …

Die AfD-Ergebnisse der Dürener Stimmbezirke bei allen bisherigen Wahlen gibt es bei uns in einer sortierbaren Tabelle.

 

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