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Europawahl 2019: Die Parteien in Düren

Europawahl 2019: Wahlergebnisse von CDU, SPD, Grünen, AfD, FDP und Linken in den Stimmbezirken der Stadt Düren
Europawahl 2019: Wahlergebnisse von CDU, SPD, Grünen, AfD, FDP und Linken in den Stimmbezirken der Stadt Düren., aufgetragen als Funktion der Wahlergebnisse der AfD. Zudem ist eine Linearanpassung dargestellt

So ging die Europawahl 2019 in der Stadt Düren aus: Stärkste Partei wurde mit 30,2% ziemlich souverän die CDU. Nur in 11 der 54 Stimmbezirke  (ohne Briefwahlbezirke) kam sie nicht auf Platz 1: In sieben Bezirken musste sie der SPD den Vortritt lassen, in fünf den Grünen. Im Stimmbezirk 14.0 in Düren-Nord (Alte Jülicher Str. bis zur ehem. Kreisbahn, und  Bretzelnweg) lagen sowohl SPD als auch Grüne (beide je 20,9%) vor der CDU (18,0%, gleichzeitig ihr schlechtester Wert in Düren auf Stimmbezirksebene). Ihren Bestwert holte die CDU in Berzbuir & Kufferath (40,6%). Hier gab es mit 15,0% auch den schlechtesten Wert für die SPD, und mit 50,4% die höchste Wahlbeteiligung im Wahllokal. Der Dürener Durchschnitt lag bei 36,5%, hier sind jedoch die  Briefwähler nicht enthalten (diese umfassen 29,5% aller in der Stadt Düren abgegebenen Stimmen, sind jedoch keinem Stimmbezirk zuordenbar). Inklusive Briefwähler lag die Wahlbeteiligung der Stadt Düren bei 51,7%.

Auf Platz 2 in der Stadt Düren kam die SPD (20,5%) knapp vor den Grünen (17,6%). In 31 Stimmbezirken hatte die SPD die Nase vorn, in 22 die Grünen, in einem (14.0, siehe oben) lagen sie gleichauf. Ihren Bestwert von 30,0% holte die SPD im Bezirk 15.1  (Grüngürtel-Viertel von Freiheitstr. bis Blücherstr. ). Hier hatte gleichzeitig auch die AfD ihr bestes Ergebnis: Sie kam mit 18,6% gemeinsam mit der CDU auf Platz 2, während sich die Grünen mit Platz 4 begnügen mussten (11,8%, ihr zweitschlechtestes Ergebnis).  Das beste Ergebnis für die Grünen (23,0%) gab es im Bezirk 21.0 (Dechant-Bohnekamp-Str. & südlich davon. Hier lagen die Grünen aber trotzdem hinter der auf 27,3% gekommenen CDU). Schlusslicht bei den Grünen war mit 11,8% der Bezirk 10.0 (Merken West), deutlich hinter CDU 33,0% und SPD (22,7%), aber noch vor der AfD (8,7%).

Die AfD holte mit 10,7% Platz 4. Die Stimmbezirke mit den  stärksten AfD-Ergebnisse konzentrieren sich auf zwei Gebiete in Düren: östlich von Schoellerstr. und Euskirchener Str.  oder aber in Rölsdorf im Westen Dürens (siehe dazu einen eigenen Beitrag). In diesen Stimmbezirken schnitt die CDU eher schwach ab und lag zumeist nur knapp vor oder gar hinter der SPD,  und gleichzeitig hatte die SPD noch einen deutlichen Vorsprung vor den Grünen.  Die AfD zog  nirgends an CDU oder SPD vorbei, aber kam in 6 Bezirken vor den Grünen auf Platz 3 (bzw. im Bezirk 15.1 im Grüngürtel gemeinsam mit der CDU auf Platz 2,  siehe oben). Das beste Ergebnis der AfD (18,6% in besagtem Bezirk 15.1) liegt nur geringfügig über dem schlechtesten Ergebnis der CDU (18,0% im Bezirk 14.0 in Düren-Nord, siehe oben). Das schlechteste Ergebnis der AfD waren 5,4% im Bezirk 01.0 (Niederau Süd). Hier musste die AfD der FDP den Vortritt lassen, dasselbe gilt für zwei weitere Bezirke (10.1 Merken Ost und  06.0 Gürzenich Nordwest). Und in einem Bezirk musste die AfD stattdessen die Linken (10,5%, ihr zweitbestes Ergebnis) an sich vorbeiziehen lassen. Nämlich im Bezirk 14.1 im Nordviertel (Josef-Schregel-Str. & LVR-Klinik).

FDP (6,2%) und Linke (4,5%) lieferten sich schließlich in den meisten Stimmbezirken ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Plätze 5 und 6 (dort, wo die AfD zwischen beiden einkam, wurden es die Plätze 5 und 7).  In 28 Stimmbezirken lag die FDP vorn, in 24 die Linken, in 2 Bezirken kamen sie gleichauf. Die FDP-Ergebnisse variierten dabei zwischen 7,96% bzw. 7,95% (Bezirke 11.0 Arnoldsweiler Südund 10.1 Merken Ost) und 2.0% (Bezirk 14.1 im Nordviertel).  Die Ergebnisse der Linken lagen zwischen 12,0% (Bezirk 17.0, Kölner Landstr. von Friedrich-Ebert-Platz bis Moschee. Hier kam die AfD auf 13,1%) und 1,8% in der FDP-Hochburg 11.0 (Arnoldsweiler Süd).

Korrelation zwischen den Stimmbezirks-Ergebnissen der AfD und der anderen relevanten Parteien bei allen bisherigen Wahlen in Düren
Korrelation zwischen den Stimmbezirks-Ergebnissen der AfD und der anderen relevanten Parteien, sowie der Wahlbeteiligung, bei allen Wahlen in Düren mit AfD-Beteiligung von 2013 bis 2019. Anm.: Zur Bürgermeisterwahl 2015 gab es nur 3 Kandidaten, sie gehörten der CDU, SPD bzw. AfD an.

Eine Untersuchung des Zusammenhangs zwischen den Ergebnissen der AfD und dem der anderen Parteien ist insofern interessant, als dass sich daraus ggf. Aussagen ableiten lassen, welches Wählermilieu der AfD besonders zugetan ist und welches weniger. Eine praktische mathematische Größe ist der Korrelationskoeffizient. Dieser ist wie folgt zu verstehen: Ein Koeffizient von 1 wäre ein perfekter Zusammenhang: je stärker die AfD in einem bestimmten Stimmbezirk, umso stärker auch die andere Partei. Ein Koeffizient von -1 wäre ebenso perfekt, aber andersherum: je stärker die AfD, umso schwächer die andere Partei. Ein Koeffizient von 0 schließlich bedeutet: Es gibt überhaupt keinen Zusammenhang.

Wenn man nun die Korrelationskoeffizienten für die Europawahl 2019 mit denen der Landtags- sowie der Bundestagswahl 2017 und auch der Bürgermeisterwahl 2015 vergleicht, stellt man fest: Die Korrelationen sind schwächer geworden (aber im Wesentlichen immer noch deutlicher als bei den Wahlen 2013-14). Am stärksten ist noch der Zusammenhang zwischen den Ergebnissen von AfD und CDU (Koeffizient 0,5), was wohl daran liegt, dass die AfD in CDU-dominierten traditionell-konservativen Stimmbezirken unterdurchschnittlich abschneidet. In die gleiche Richtung weist auch die Anti-Korrelation zur Wahlbeteiligung im Wahllokal (hier beträgt der Koeffizient aber nur noch -0,33). Umgekehrt besteht eine positive Korrelation mi den Ergebnissen der Linken, was auf überdurchschnittlich hohe Sympathien für die AfD im prekären Milieu hindeutet. Aber auch hier ist keine Regel ohne Ausnahme (siehe das oben thematisierte schwache Abschneiden der AfD in der Linken-Hochburg Nordviertel), entsprechend beträgt der Koeffizient nur noch 0,28. Und die in die gleiche Richtung weisende positive Korrelation zur SPD, welche seit 2014 bestand, scheint sogar ganz verschwunden zu sein. Was aber wohl mehr über die SPD als über die AfD aussagt (es scheint kein gesellschaftliches Milieu mehr zu geben, welches über- oder auch unterdurchschnittlich häufig  SPD wählt). Die Korrelation zu den Grünen und zur FDP  ist wie immer negativ. Aber auch sie hat sich abgeschwächt und liegt bei nur noch -0,27 (Grüne) bzw. -0,20 (FDP). Denn die Grünen legten praktisch überall zu, egal ob in Stimmbezirken mit schwachen oder starken AfD-Ergebnissen). Die Ursache der Abschwächung der Korrelationen liegt vermutlich darin, dass die AfD 2017 einen hohen Zuspruch im prekären Milieu hatte (wo auch Linke und zuindest bisher die SPD  überdurchschnittlich, CDU, FDP und Grüne hingegen unterdurchschnittlich gut punkten). Den hat sie zwar sicher nach wie vor, Angehörige des prekären Milieus sind aber generell eher weniger von einer Stimmabgabe bei einer vergleichsweise „unwichtigen“ Wahl zu begeistern. Weshalb das AfD-Ergebnis zur Europawahl wieder stärker vom Wahlverhalten bürgerlicher Wähler bestimmt wurde und somit Rölsdorf nun auf einmal eine AfD-Hochburg ist.

 

Müllskandal in Gürzenich: AfD-Fraktion fordert Rücktritt oder Abwahl

Dürener Nachrichten 5.4.18: Ärger um „vergessenen“ Schutt

Die AfD-Fraktion im Stadtrat Düren beantragt eine Dringlichkeitssitzung des Bezirksausschusses Gürzenich mit folgenden Tagesordnungspunkten: Abwahl des derzeitigen Bezirksausschussvorsitzenden (sofern er dem nicht durch Rücktritt zuvorkommt), und Aufforderung an den Verein „Haus für Gürzenich“ zur Rechnungslegung. Das entsprechende Schreiben kann hier eingesehen werden (PDF, 1.6 MB).

Über die Hintergründe berichteten u.a. die Dürener Nachrichten am  5. April 2018: Müllskandal in Gürzenich: AfD-Fraktion fordert Rücktritt oder Abwahl weiterlesen